Wettbewerb 1.Preis

Touristischer Aussichtsturm, Freudenstadt

Tausend Meter Turm auf dem Kniebis

Der Entwurfsansatz des „Tausend -Meter-Turms“ auf dem Kniebis ist geleitet von der Struktur eines Tannenzapfens, der mit seiner markanten Form einen klaren Bezug zur Region herstellt. Sein visuelles Alleinstellungsmerkmal eignet sich als touristisches Ausflugsziel, um die vegetativen Qualitäten der Region erlebbar zu machen. Der Turm selbst wird zu einem visuellen und räumlichen Erlebnis. Dies erreicht er mit einer starken Fernwirkung und seiner imponierenden, innenräumlichen Qualität. Die Tausend-Meter-Plattform „krönt“ dabei das Gesamterlebnis als Höhepunkt des Besuches auf dem Kniebis.

Der Turm fügt sich durch seine Form in die Umgebung ein und sorgt gleichzeitig für eine Verschmelzung von traditionellem Bauen mit dem Werkstoff Holz sowie zeitgenössischen Techniken des computergesteuerten Abbunds. Damit demonstriert der Turm die Potentiale modernen Holzbaus. Das Konzept bleibt sich dabei auf allen Ebenen treu: Formal wie auch konstruktiv schafft der Turm ein klares Bekenntnis zu regionalen Baustoffen, lokaler Bautradition und touristischer Vision gleichermaßen und trägt dadurch zur Stärkung der Identität der Region bei.

Der Aufstieg zur Tausend-Meter-Plattform als Event Schon der Aufstieg zur Tausend-Meter-Plattform soll ein beeindruckendes Erlebnis sein. Der Auf- und Abgang erfolgt über eine innenliegende Treppenanlage, die sich als Doppelhelix 30m in die Höhe „schraubt“. Die Treppenpodeste werden dabei zu Zwischenpodesten, die einerseits dem Ausruhen dienen, andererseits gezielte Blicke in die Umgebung erlauben. Unter anderem ist dabei auch ein Blick in das geplante Wildtiergehege möglich. Der Auf- und Abstieg wird dabei zu einem Gesamterlebnis, das mit dem Erreichen der Tausend-Meter-Plattform als „Krone des Schwarzwalds“ seinen faszinierenden Höhepunkt findet, auf der sich dem Besucher mit einem 360°-Blick das gesamte Panorama offenbart. Der Abstieg erfolgt über eine separate Treppe. Durch die zweite Treppe wird einerseits auch der Abstieg spannend inszeniert, andererseits werden bei der zu erwartenden hohen Besucherzahl die Personenströme sinnvoll und konfliktfrei durch den Turm geleitet. Der Besuch des Turms zu einem Pilgerweg auf über 1000m und zurück.

Mit Holz als lokales Material zu einem Bauwerk mit regionalem Bezug Die Konstruktion besteht aus einem Holzstabwerk, das sich aus der formalen Struktur eines Tannenzapfens ableitet. Sie besteht zu weiten Teilen aus Brettschichtholz und schafft dadurch einen bewussten Bezug zur Region und seinem Handwerk. Durch die diagonale Struktur, die sich statisch zu einem Rohr verbindet sind schlanke Querschnitte möglich. An den Kreuzungspunkten werden diese durch einen horizontalen Zugstab aus Stahl zusammengefasst. Die Treppenanlage ist ebenfalls als Holzkonstruktion geplant und bildet durch seine markante Form den „Kern des Zapfens“. Durch innovative Planungsmethoden der parametrisch generierten Form, lässt sich die Konstruktion maximal optimieren. Statik und Form des „Zapfens“ ergänzen sich dabei zu einer Einheit.

Computergesteuerter Planung, und innovative Produktion Die computergenerierte 3D-Planung ermöglicht optimale Schnittstellen zur Tragwerksplanung sowie zu ausführenden Firmen und Abbundzentren. Die Brettschichtholzbinder sind in ihren Querschnitten genauso wie die Konten aus Stahl gleich. Die leicht unterschiedliche Länge der Hölzer ist schon in der Planung in Form von Stücklisten zwischen allen Beteiligten exportier- und austauschbar. Gleiches gilt für die Knotenpunkte aus Stahl die per Lasercut wirtschaftlich produziert werden können. Alle Treppenläufe sind als Fünfeck-Wendelform baugleich und werden vorelementiert auf die Baustelle geliefert. Insgesamt lässt sich so ein kompakter und effizienter Bau- und Montageablauf gewährleisten. Der Tausend-Meter-Turm steht dadurch auch für innovatives Holzbau-Know-How aus dem Schwarzwald!

Bauherr: Stadt Freudenstadt
Projektart: öffentlich
Typologie: Aussichtsturm
Höhe: 30 m
Durchmesser: 9 m
LPH: 1-9
Team: Klaus Günter, Jörg Finkbeiner, Jeroen Meissner
Statik: Ziegert | Seiler Ingenieure GmbH