Wettbewerb 2.Preis

Haus der Natur

Haus der Natur am Feldberg mit Stollbert Architekten

Eine Landschaft, geprägt von den mächtigen Eismassen der letzten Eiszeit. Die Gletscher trugen Stein und Geröll weit in die umliegenden Täler, formten Schluchten, Seen und weite Talauen. Durch den klimabedingten Wandel zogen sich die Gletscher zurück und ließen das mitgeführte Geröll liegen, Mulden wurden zu Seen und weite Täler entstanden. Insbesondere die Bergkuppen im Feldberggipfelbereich sind ein deutliches Relikt aus dieser Zeit. Das Baugrundstück bildet im Zusammenspiel mit dem kleinen Wäldchen, Biotop- und Gartenbereich eine in sich eigenständige und schützenswerte Einheit mit besonderer Nutzung. Es bildet sich ein Kraftort mit eigenem Schwerpunkt aus den drei Elementen Gebäude – Wäldchen – Garten.

So legt sich unser Gebäude, gleich einem großen Gletscherstein, schützend vor das Wäldchen und den rückwärtigen Gartenbereich. Das Wäldchen bildet gleichzeitig einen guten Witterungsschutz für das Gebäude gegen die westlichen Winde und Stürme. Nach Süd-Westen gibt der offene Gartenbereich den Blick auf das Gebäude frei und ermöglicht eine optimale Gebäudeausrichtung für Photovoltaiknutzung. Die Form des Baukörpers leitet mit seiner kantigen Fassadenlinie die Ankommensrichtung über zum Seebuckgipfel. Insbesondere der Blick vom Berg auf das Gebäude mit seiner Dachfläche als „fünfte Fassade“ ermöglicht die Wahrnehmung der schlüssigen Gesamtform und das Erkennen des „liegenden Steins“.

Entwurf

Der Entwurf setzt sich mit seiner transparenten Eingangssituation an den Knotenpunkt der öffentlichen Haupterschließung und den hauptfrequentierten Wanderwegen zum Feldberg, bzw. seitlich vorbei zu den Liftanlagen. Vorteilhaft ist die abgesonderte Lage gegenüber dem Feldberger Hof und den daran anschließenden diversen Nutz- und Funktionsgebäuden. Das Gebäude ist richtig verortet und kann sich durch seine Eigenständigkeit hier gut behaupten.

Die äußere Architektur spiegelt die innere Organisation wider. Im östlichen Kopfbau befinden sich die hochfrequentierten Besucherbereiche, bestehend aus Empfang, Shop, Wechselausstellung und Aufenthaltsbereich. Im Kern liegen gut zugänglich die Nebenräume, insbesondere die öffentlichen Toiletten und Gepäckaufbewahrung. Eine offene, einladende Treppe führt in die Dauerausstellung im Obergeschoss. Ein großer Luftraum im Eingangsbereich lässt erste Einblicke in die Dauerausstellung zu, macht neugierig diesen zu besuchen. Die Funktionen Ankommen – Shop – Wechselausstellung und Aufenthaltsbereich gehen fließend ineinander über und schaffen einen großen, vernetzten Raum.

Im Obergeschoss befindet sich die Dauerausstellung mit Medienraum und der separat abtrennbare Verwaltungsbereich mit Bibliothek, Personalunterkünfte, sowie weitere Lager- und Technikräume. Die Büroräume sind in einer klaren Struktur angeordnet und können flexibel genutzt werden.

Wiederverwertungskonzept

Das vorhandene Holztragwerk besteht aus gebogenen Leimholzbindern, Leimholzstützen und Leimholzzangen als Auflager für Deckenbalken. Ferner beinhaltet das Tragwerk weitere, stabförmige Elemente im Dachbereich in Form der zwischen die Binder eingefügten Dachpfetten. Die linearen, stabförmigen Elemente der Dachpfetten und Deckenbalken könnten im neuen Gebäude sowohl als Deckenbalken oder Holzständer in den Wandbereichen zum Einsatz kommen. Die teils sehr langen Leimholzzangen könnten sich als Unterzüge im nord-westlichen Gebäudeflügel eignen. Insgesamt ließen sich ca. 110 m³ des Bestandsholz im neuen Gebäude wiederverwerten.

Energiekonzept

Das Gebäude liegt im natürlichen Windschatten des Wäldchens, das effektiv vor Winden der Hauptwindrichtung schützt. Der kompakte Baukörper gewährleistet geringe Wärmebedarfe durch Vermeidung geometrischer Wärmebrücken, die Gebäudehülle kann im gewünschten energetischen Standard ausgeführt werden. Der Baukörper ist so zoniert, dass eine natürliche Fensterlüftung möglich ist, einzig in den Kernbereichen sollte die zusätzliche Nutzung einer RLT zur Deckung des Grundluftwechsels geprüft werden. Der bestehende Holzpellet-Kessel soll weiter genutzt und erst nach Ablauf der Lebensdauer gegen ein Holzpellet-BHKW getauscht werden, das durch die Stromproduktion für Autarkie sorgen kann. Die PV-Anlage auf dem Dach und der Südfassade kann in schneearmen Zeiten Solarstrom erzeugen, der direkt genutzt wird.

Projektdaten

  • Bauherr: Vermögen und Bau Baden-Württemberg
  • Typologie: öffentlich, Ausstellung und Verwaltung
  • Ort: am Feldberg
  • BGF: 4025m²
  • Leistungsphasen: Wettbewerb 2. Preis
  • Architekten: Partner und Partner Architekten mit Stollbert Architekten
  • Team: Peter Stollbert, Rudolf Kasper, Klaus Günter, Jeroen Meissner, Olga Zeiser, Raúl Vásquez Iñiguez, Mairi Zountsa, Max Löffler, Quirin Dilling, Tjasa Kogovsek
  • Energiekonzept: ee-concept
  • Landschaftsplaner: Lavaland / Treibhaus
  • Statik: Ingenieurbüro Wirth Haker
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